Zoo Duisburg schickt 16 Wildkatzen nach Schottland
Veröffentlicht: Freitag, 21.11.2025 10:27
Der Zoo Duisburg hilft mit der Auswilderung von Wildkatzen bei der Rettung einer bedrohten Tierart.
Der Zoo Duisburg unterstützt ein bedeutendes Artenschutzprojekt in den schottischen Highlands. 16 am Kaiserberg geborene Wildkatzen sind bereits im Auswilderungszentrum angekommen. Ab 2026 sollen die ersten Tiere in die freie Wildbahn entlassen werden.
Vom "Highland Tiger" zum bedrohten Räuber
Die Wildkatze, in Schottland auch "Highland Tiger" genannt, stand einst kurz vor dem Aussterben. Lebensraumverlust und intensive Bejagung dezimierten die Bestände drastisch. Heute leben nach Schätzungen nur noch wenige hundert Tiere in der britischen Wildnis. In Südengland ist die Art bereits vollständig verschwunden. Seit 2023 arbeitet die Organisation "Saving Wildcats" an der Wiederansiedlung der scheuen Jäger. Bisher wurden 40 zoogeborene Wildkatzen in einem Naturreservat ausgewildert. Die 16 Duisburger Tiere bereiten sich nun in speziellen Anlagen fernab der Zivilisation auf ihr Leben in Freiheit vor.
Europäische Zoos als Artenschützer
Das Projekt basiert auf wissenschaftlichen Grundlagen: Eine Machbarkeitsstudie prüfte die Eignung des Lebensraums, die Fachgruppe Katzen des Weltnaturschutzverbandes IUCN empfahl die Einführung kontinentaleuropäischer Wildkatzen. Ziel ist der Aufbau einer stabilen und genetisch gesunden Population. "Dieses Projekt zeigt einmal mehr, wozu die Zoogemeinschaft fähig ist. Gemeinsam retten wir Arten, schützen Lebensräume und stellen Tiere für gezielte, sinnvolle Auswilderungen bereit", erklärt Oliver Mojecki, Zoologischer Leiter in Duisburg.
Erfolgsgeschichte Deutschland: Von der Ausrottung zur Erholung
Auch in deutschen Wäldern waren Wildkatzen fast vollständig verschwunden. Gemeinsame Anstrengungen von Zoos und Naturschutzverbänden wendeten das Blatt. Der Zoo Duisburg spielte bereits in den 90er Jahren eine wichtige Rolle: Tierpfleger Mike Kirschner begleitete damals acht Wildkatzen in den Bayerischen Wald und die Oberpfalz. "Das Training dauerte zum Teil mehrere Wochen. Viele Europäische Zoos stellten junge Wildkatzen bereit und legten so den Grundstein für die Wiederansiedlung der heimischen Raubtiere", erinnert sich der Raubtier-Experte. Die Mühen tragen Früchte: Heute leben schätzungsweise 5.000 bis 8.000 Wildkatzen in Deutschland.
Artenschutz weltweit: Vom Kaiserberg in die Welt
Der Zoo Duisburg engagiert sich in zahlreichen internationalen Projekten. Mit dem Artenschutz-Euro wurden mehrfach Brillenpinguine und weitere Vogelarten in Südafrika ausgewildert. Wisente, Schleiereulen und Wildkatzen traten von Duisburg aus ihre Reise in Ansiedlungsprojekte an. Im Ruhrgebiet selbst wilderte das Zoo-Team Ringelnattern und Fledermäuse aus. Ein besonderes Projekt läuft in Südamerika: Der erste für eine Auswilderung bereitgestellte Riesenotter stammte vom Kaiserberg. Das Weibchen Alondra könnte bald Nachkommen in die Freiheit entlassen. Bereits heute streifen zoogeborene Riesenotter durch die Lagunen des Nationalparks Ibera.
"Diese und viele weitere Beispiele von erfolgreichen Ansiedlungen sowie dem finanziellen Artenschutz-Engagement der Zoowelt zeigen eindrucksvoll, welchen Wert Zoologische Gärten für den Schutz der biologischen Vielfalt in der heutigen Zeit haben", betont Biologe Oliver Mojecki.